Zusammenfassung
Ein Atelier gehört einfach in jedes Optikergeschäft. Doch welche Arbeiten kann man als Fachgeschäft auslagern, ohne sein traditionelles Handwerk aufzugeben?
Publiziert: 1 Monat her — 

Lesezeit: ca. 6 min. —

 Autor*in: Gilles Stüssi
Zusammenfassung
Ein Atelier gehört einfach in jedes Optikergeschäft. Doch welche Arbeiten kann man als Fachgeschäft auslagern, ohne sein traditionelles Handwerk aufzugeben?
Publiziert: 1 Monat her
Lesezeit ca. 6 min.
Autor*in: Gilles Stüssi

Schleifen Sie (noch) selber ein?

Lange ginge es nicht ohne den «Automaten» – der CNC-Schleifmaschine im Zentrum jeder Augenoptiker-Werkstatt. Oft reich verziert mit Post-it-Zetteln mit Grössenkorrekturen und manchmal sogar mit einem sympathischen Namen. Heute ist der Kauf einer solchen Maschine eine Entscheidung, die über die Maschine hinaus auf verschiedenen Ebenen getroffen wird. Wir möchten einige Punkte zusammentragen, über die man nachdenken sollte, wenn der «alte Schorsch» langsam in die Jahre kommt. Und ganz zum Schluss möchten wir unser Votum für eine Werkstatt abgeben. 

Das Gerät

Ein modernes «Mini Lab»-System besteht aus drei Komponenten: Tracer, Blocker und Edger. Es gibt auch Monolith-Systeme, die zwei oder sogar alle Funktionen in einem Gehäuse unterbringen. In den meisten Fällen entscheidet man sich für ein Nachfolgemodell einer bereits bewährten Lösung und fährt damit genau richtig. Die auf dem Markt erhältlichen Produkte unterscheiden sich stark im Funktionsumfang: Sportmodus für Gläser mit hoher Kurve, rillen, bohren, Kanten brechen. Die Unterschiede in der Qualität der Ergebnisse sind Geschmackssache. Im Preis sind sich alle Geräte sehr ähnlich.

Am Anfang steht aber im jedem Fall eine grössere Investition im mittleren fünfstelligen Bereich. Ob finanziert oder bar bezahlt: Hier wird ein hoher Geldbetrag gebunden, der sich erst langfristig auszahlt. Berücksichtigen Sie in Ihrem Budget auch die Installationskosten sowie die laufenden Kosten für den jährlichen Service, Wartung und Ersatzteile.

Der Platz

Was natürlich auch zum Mini Lab zwingend dazugehört ist eine ordentliche Wasseraufbereitung. Beim Schleifen wird das Wasser mit Kunststoffmaterial angereichert und diese Schleifemulsion ungefiltert ins Abwassersystem zu leiten ist (zumindest moralisch) verboten. Es gibt einfachere Systeme und professionelle Zentrifugen. Jede dieser Varianten benötigt zusätzlichen Platz und sanitäre Installationen.

Ist das System einmal installiert, ist der Aufwand, es an einen anderen, vielleicht besseren Platz zu versetzen, riesig. In der Regel bewegt sich ein Schleifautomat während seiner gesamten Lebensdauer keinen Zentimeter von der Stelle. Die Entscheidung bindet also nicht nur finanzielle Ressourcen, sondern auch den gewählten Platz.

Der Mensch

Jetzt wird’s spannend, denn jetzt wird geschliffen! Die neuen Instrumente sind unglaublich anziehend und das ganze Team ist von der Anschaffung begeistert. Die Schulung fällt leicht – denn die Prozesse werden immer einfacher und die Bedienung benutzerfreundlicher. 

In der Regel gibt es sowohl in kleineren als auch in grösseren Fachbetrieben jeweils eine Person, die für die Werkstatt verantwortlich ist. Dieser «Power User» kennt das Instrument, seine Funktionen und Eigenheiten am besten und kann es im Schlaf bedienen. Die meisten Brillen können vom ganzen Team eingeschliffen werden – ein Teil bleibt aber erfahrungsgemäss das «Pièce de résistance» dieser einen, besonders affinen Person.

Besonders in kleineren Teams spielen daher auch ferien- und weiterbildungsbedingte Ausfälle eine Rolle. Fehlt jemand in der Werkstatt, muss die Arbeit von jemand anderem übernommen werden. Die Entscheidung für einen neuen Automaten betrifft also nicht nur das Bankkonto und die Ladeneinrichtung, sondern auch die Personalplanung.

Die Zeit

Im Schnitt dauert eine komplette Montage gut und gerne 30 Minuten. Nehmen wir an, dass in der Werkstatt eines statistischen «Durchschnittsoptikers» ca. 3 – 4 Brillen pro Tag verglast werden, kommen wir auf einen Zeitbedarf von ca. 2 Stunden pro Tag, 10 Stunden pro Woche, 40 Stunden pro Monat oder über 400 Stunden pro Jahr. Selbst wenn es nur die Hälfte sein sollte, ist der Zeitaufwand nicht zu unterschätzen.

Gerade in Geschäften, die an der Kapazitätsgrenze arbeiten, lohnt es sich, darüber nachzudenken, wie die zur Verfügung stehende Zeit am sinnvollsten genutzt werden kann. Denn ein Schleifautomat bindet auch ordentlich Zeit.

Das Risiko

Ganz ehrlich: Ein Werkstattbruch kommt einfach mal vor. Und manchmal möchte man einfach noch einmal von vorne anfangen, weil man weiss, dass man es besser kann. Dieses Risiko fliesst einerseits in die Glaskalkulation ein und wird durch die Kulanzvereinbarung mit dem Glashersteller zumindest anteilig mitgetragen. Ein Bruch bedeutet aber nicht nur zusätzliche Kosten, sondern auch einen zweiten Anlauf und damit doppelte Montagezeit. 

 

Atelier und Storytelling

In der Kommunikation geht es darum, Geschichten zu erzählen. Ein eigenes Atelier zu unterhalten bietet unglaublich viel Material für Ihre Social Media Präsenz. Mit unserer Werbeagentur empfehlen wir der Kundschaft, die Werkstatt nach aussen zu zeigen und damit den Brillenträger*innen wahnsinnig spannende Einblicke hinter die Kulissen zu geben.

In einer Optikerwerkstatt geht es um Freude am Handwerk, Fingerspitzengefühl und Präzision. Erzählen Sie diese Geschichte und seien Sie stolz darauf, unseren Beruf in all seinen Facetten zu leben und zu lieben. Ihre Werkstatt ist deshalb kein Nebenraum, sondern der entscheidende Ort, an dem Lieblingsbrillen entstehen. 

Nutzen Sie deshalb das Commitment zum eigenen Atelier aktiv in Ihrer Kommunikation.

   

Die Alternativen

TRACING (Fernformrandung)

Möchten Sie statt eines eigenen Mini Lab-Systems auf richtig grosse Industriemaschinen zurückgreifen? Dank unserem modernen, clever vernetzten Produktionssystem können Sie bei der Glasbestellung selber wählen, ob Sie die Gläser bei sich oder direkt bei uns schleifen lassen. Dann erhalten Sie statt rohrunder Gläser fertig gerandete Brillengläser. Dabei ist alles möglich, was Sie auch auf einem eigenen Automaten realisieren können: Rillieren (inkl. spezieller Rillbreiten und -tiefen), Bohren, Kanten brechen und eine exakte Steuerung des Facettenverlaufs. Sogar Grössenänderungen und simple Formanpassungen können Sie direkt in Ihrer Optikersoftware oder in unserem Bestellclient vornehmen.

Dazu benötigen Sie nur einen Tracer zur Formerfassung. Dieser benötigt kaum Platz und ist sehr einfach zu bedienen. Wie beim eigenen Schleifautomaten haben Sie auch hier das Ergebnis genau unter Kontrolle. Nur das Schleifen selbst entfällt. Der Zeitbedarf reduziert sich drastisch und Sie nehmen nur noch die Feinjustierung mit dem Handschleifstein vor. Wenn überhaupt.

GLAZING (Montageservice)

Sie möchten zeitweise oder komplett auf eine eigene Werkstatt verzichten und die Einschleifarbeiten auslagern? Mit unserem GLAZING SERVICE bringen Sie die Fassung zur Post und erhalten sie nach wenigen Tagen komplett montiert und ausgerichtet zurück. Im Gegensatz zu anderen Anbietenden arbeiten wir hier nicht nach industriellen Standards, sondern auf Boutique-Niveau. Wir gehen dabei nicht nur auf Ihre Wünsche und Vorlieben ein, sondern bringen uns aktiv mit Ideen und Vorschlägen ein, um das schönste Ergebnis zu erzielen. Und anders als ein freies Einschleifatelier sind wir so organisiert, dass Ihre Aufträge täglich verarbeitet werden können – ohne Betriebsferien und Ausfällen.

Diese Lösung ist ideal für Geschäfte, die sich auf die Beratung konzentrieren und mehr Zeit mit ihren Kund*innen verbringen möchten. Unser GLAZING SERVICE wird auch gerne in der Ferienzeit oder von Geschäften mit wenig Mitarbeitenden genutzt.

Unsere Gedanken dazu

Wer gerne und mit Freude eine eigene Werkstatt betreiben möchte, sollte dies auf jeden Fall tun. Ansonsten ist eine sorgfältige Kosten-Nutzen-Abwägung sinnvoll. Zudem ist die Situation für lang angesessene Unternehmen eine andere als für Existenzgründer*innen, die finanzielle Prioritäten anders setzen möchten. 

Eine «Brille» ist weit mehr als die Summe ihrer Komponenten: Die Refraktionsbestimmung, die Auswahl der passenden Brille und die Empfehlung eines schönen Glases sind der erste Teil einer Erfolgsgeschichte. In der Werkstatt müssen diese Puzzleteile dann so zusammengefügt werden, dass das optisch, ästhetisch und funktional schönste Ergebnis erzielt wird. Das ist eine Kunst für sich. 

Wer sich dafür entscheidet, einen Teil der Werkstattarbeit auszulagern, gibt mit Sicherheit das traditionelle Handwerk nicht auf, sondern setzt seine Ressourcen dort ein, wo sie für die Kundschaft am wertvollsten sind. Es wird in Zukunft auch kein «Entweder-oder» geben, sondern ein gut organisiertes Hand in Hand von eigenen und ausgelagerten Handwerksleistungen. 

Und unser Votum: Handwerk macht Spass. Delegieren Sie die einfacheren Aufträge an uns und nehmen Sie sich dafür mehr Zeit für die Arbeiten, die Sie mit Begeisterung machen möchten. Eine eigene Werkstatt sollte nicht nebenbei im Tagesgeschäft mitlaufen, sondern eine gut geplante und sorgfältig organisierte Zelle Ihres Betriebes sein. Ein Ort, an dem man mit seinen Händen etwas schafft und auf den man stolz ist.

So ist es zumindest bei uns.

Über die Autor*innen
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Gilles Stüssi

Mein Name ist Gilles und bin Augenoptiker. Seit über 18 Jahren bin ich Teil des Eyetech-Teams und lasse mich täglich von der Frage «Was wäre wenn …?» zu neuen Ideen und Perspektiven inspirieren. Ich bin begeistert von Brillengläsern und brenne für Marketing und Kommunikation. Hast Du Fragen oder Anregungen zu diesem Beitrag? Es wäre mir eine Freude, mit Dir ins Gespräch zu kommen!

Über Eyetech

Brillengläser von Augenoptikern für Augenoptiker. Mit dieser Idee wird die Eyetech AG in den frühen 1990ern gegründet. Mit viel Pioniergeist und Lust auf Innovation ist der Glashersteller heute Partner von unabhängigen Fachgeschäften in der ganzen Schweiz. Das einmalige Portfolio von Brillengläsern inkl. CRAFT™ Spezialgläsern und dem hauseigenen Montageservice decken alle Wünsche ab. Die kompetente, persönliche Beratung macht jeden Kontakt mit uns zum schönen Erlebnis. Und die V.EYE.P Werbeagentur bringt das Fachgeschäft näher an ihre Ziele.